Der Start in eine neue Dimension - das Interview




Leuchten für den Leseplatz. Antje Kröplin stöbert ein wenig in der neuen „Reading Furniture“ - Ecke von less’n’more.



Am 20. April 2017 ist es nach fast acht Monaten endlich soweit - die offizielle Einweihung der neu gestalteten Ladenflächen des renommierten Leuchtengeschäfts „LichtJa - Licht und mehr GmbH“ an der Saseler Chaussee 109 in Hamburg.

Drei Tage lang werden Vorträge von ausgesuchten Leuchtenherstellern, Raumausstattern, Hörakustikern und Innenarchitekten gehalten. Drumherum viel Raum, um miteinander zu Netzwerken und den Abend bei einem gemütlichen „Get together“ ausklingen zu lassen.

Anlass genug, der Inhaberin und Geschäftsführerin Antje Kröplin ein paar Fragen zu stellen.


Sie haben Großes vor, Frau Kröplin, was meinen Sie eigentlich mit dem Start in eine „neue Dimension“?

„LichtJa ist schon lange mehr als ein Leuchtenfachgeschäft, in dem man schöne Designerleuchten kaufen kann. Kombiniert mit der Lichtplanung zeigen wir in dem neuen Ambiente hier die Vernetzung von Licht und Raum. Beides gehört unabdingbar zusammen und das zeige ich hier. Neben den ganzen technischen Raffinessen des LED- Zeitalters und all den technischen Herausforderungen bleibt immer noch der Blick auf den Raum, in dem wir uns privat und beruflich bewegen und in dem wir uns wohlfühlen wollen.“

Also ist die Verknüpfung von Licht und Raum die neue Dimension. Das hat sich aber erst im Laufe der Jahre entwickelt, wie sah es eigentlich früher hier aus?

„Wir haben hier nun schon eine 27jährige Geschichte hinter uns. Ich bin 1995 in das Unternehmen meiner Eltern eingestiegen und habe einen Leuchtenfachhandel vorgefunden, der im wesentlichen noch gar nicht Design orientiert war. Die Ausstellungsfläche war viel kleiner als heute, ca. 150qm und wir verkauften englische Stilleuchten, Tiffanyleuchten, klassische Leuchten, zwar auch moderne Leuchten, aber noch keine Designerleuchten.

Von Anfang an verfolgte ich meine Vision nicht nur Lampen und Leuchten zu verkaufen sondern auch lichtplanungsaktiv zu sein.

Nach und nach haben wir dann die Nachbarläden - das waren ein Brillenladen, ein Friseur, ein Computerladen und eine Fahrschule - erobert und unser Geschäft hier an diesem Standort ausgedehnt. Für uns war und ist dieser Ort direkt in der Einflugschneise zur Hamburger Innenstadt ideal, im Gegensatz zu den anderen Branchen.

Jeder, der hier vorbeifährt kennt LichtJa. Und wenn ein Lichtbedarf entsteht, wird auf die Bremse gedrückt! Die meisten Kunden kommen nun schon seit vielen Jahren zu uns. Das liegt auch daran, dass wir einen qualitativ hochwertigen Service bieten. Wir beraten den Kunden auch sehr gerne vor Ort. Uns ist es wichtig, dass der Kunde nicht einfach nur eine schöne Leuchte bekommt, sondern dass das Licht auch zu seinem Umfeld passt. Dafür ist es wichtig zu wissen, wie der Raum aussieht. Wie sieht sein Büro aus, wie sieht seine Ladenfläche aus, wie sein Wohnzimmer, sein Schlafzimmer? Baut er neu, will er renovieren, wieviel Personen leben in dem Haushalt, wieviele Menschen arbeiten in dem Bereich und was sind die Ansprüche ans Wohlbefinden?“

Kommt auch noch eine neue Dimension nach der neuen Dimension, welche Visionen haben sie noch?

„Was ich über die Jahre festgestellt habe, ist, dass einfacher Verkauf von Handelsgütern nicht das Eine und Einzige ist. Das Andere und Besondere ist, mit meinem Kunden gemeinsam zu schauen, wo wir alle hin wollen. Wie wollen wir tatsächlich arbeiten und leben? Und wenn wir etwas käuflich erwerben, was ist unser Kaufgenuss?

Die Kunden kaufen nicht einfach nur einen Gegenstand, eine Leuchte nach dem Motto ‚gekauft, nimm mit und auf Wiedersehen‘, nein, sie tragen ein Gut, eine Leuchte mit einer Idee von mir in ihr Gebäude, ihre Wohnung, ihr Büro. Und dieses Objekt, das Licht und die Planung gucken sie ein paar Jahrzehnte an. Und wenn sie dann zufrieden sind mit dem Licht, das auch noch in einer schönen Leuchte verpackt sein kann, dann erinnern sie sich: ‚Das habe ich bei LichtJa gekauft, das war eine tolle Location, da konnte ich mich hinsetzen und in Ruhe überlegen. Da wurde ich abgeholt, es wurden nette Gespräche geführt, man kennt mich dort, ich wurde angesprochen und man kennt mich immer noch und ich darf auch mal einen Kaffee trinken der schmeckt!“

Wie ist das Raumerlebnis, das Hörerlebnis, das Lichterlebnis schon beim Kauf und wie nehme ich es mit? Was zählt ist also das Rundumerlebnis. Darum geht es hier.

Und wir sind gebäudemäßig noch ausbaufähig - wir können noch nach oben!“

Sie haben von 2010 bis 2012 noch ein Studium absolviert und sind jetzt „Master of Light and Lighting“ - ein Teil Ihrer Vision?

„Ja, das gehört für mich dazu, denn es war wichtig für mich, nicht einfach nur zu sagen‚ ich mache Lichtplanung‘. Ich habe dies tatsächlich auch gelernt. Mit dem Titel ist man allerdings noch lange kein fertiger Lichtplaner, dazu gehört noch viel Erfahrung. Man muss lernen, das Licht selber zu sehen, zu fühlen und zu spüren und es dann auch anzuwenden. Und dann muss man dem Menschen bzw. dem Kunden, dem man gegenüber sitzt auch im Vorfeld sichtbar machen können, wie das Licht aussehen wird. Das Licht spürbar machen, bevor es in seinen Räumen ist. Wie sieht er in Zukunft seinen Raum, den er vielleicht noch gar nicht hat. Das kann ich nur durch Emotionen und durch Gespräche in denen ich meinen Kunden kennenlerne herausfinden und vermitteln. Dann kann ich ihm mit verschiedenen Planungstools wie Visualisierungen und 3DAnimationen, technische Zeichnungen und Datenblätter verständlich machen, wie es aussehen wird und wie es sich anfühlt.“

Sie bringen bei LichtJa Raum, Licht und Akustik zusammen, als Ergebnis eines großen Netzwerks. Sie sind Mitglied im BNI, einem Empfehlungsnetzwerk , in dem viele Branchen zusammenkommen und miteinander kooperieren. Auch Ihre Aktionstage vom 20. bis 22. April 2017 sind vom Netzwerkgedanken geprägt. Was für eine Bedeutung hat für Sie Ihr Netzwerk?

„Ich möchte hier bei LichtJa Netzwerk anfassbar und erlebbar machen. Wenn man bei uns reinkommt, landet man in einem Raum, in dem Netzwerk gelebt wird und wo Ansprechpartner direkt da sind. Vom Planer bis zum Handwerker kann man hier die ganzheitliche Idee spüren. Wir sind quasi eine Anlaufstelle für alle Dienstleistungen rund ums Haus, um die Wohnung und ums Büro. Zusammen mit Partnern meines Vertrauens wie z.B. Annette Embert von Raumkonzept Innenarchitektur, die auch die neuen Ladenflächen konzeptioniert und geplant hat, können wir Raumprojekte umsetzen. So bekommt unser Kunde, wenn er mag, viel mehr als einfach nur eine schöne Leuchte. Wer bei uns anbekommt, geht mit uns und wir gehen gemeinsam weiter.“

Und Ihr eigenes TEAM? Welche Bedeutung haben Ihre Mitarbeiter für Sie?

„Ohne das TEAM LichtJa gäbe es das LichtJa, wie es heute hier ist nicht. Wir arbeiten eng und freundschaftlich miteinander zusammen. Die letzten acht Monate in denen das Ladengeschäft saniert und umgebaut wurde, waren schon eine ziemliche Belastungsprobe für uns alle. Dreck, Staub und Krach die ganze Zeit und mein Team hat hervorragend durchgehalten. Sie freuen sich jetzt riesig und mit jedem Tag an dem ein Stückchen mehr fertig ist, blühen sie richtig auf und sind begeistert für die weitere Zukunft. Bis zum nächsten Dimensionssprung.“

Apropos Zukunft - Wo sehen Sie die Zukunft des Lichts, was kommt nach der LED?

„Da bin ich selber sehr gespannt, das kann man heute noch gar nicht sagen. Es ist erstmal LED, LED, LED und das immer noch weitere Reifen der LED.“

Was ist denn Ihr persönliches Ziel für die Zukunft?

„Keinen Abschluss zu finden. Mein Wunsch ist es, der nachfolgenden LichtJa-Generation mitgeben zu können: Es gibt kein Ende. Jeder Tag ist das Ziel in dieser neuen Dimension, jeder Tag ist etwas Neues. Und Licht ist immer Entwicklung und immer ein Lebensbaustein und der hört nie auf, es ist nie zu Ende!“

Sie haben jetzt eine Vielzahl an Herstellershops in Ihrer Ausstellungsfläche, manche größer manche kleiner und OCCHIO hat bei Ihnen sogar den größten Shop in Hamburg. Sind die Shops eigentlich eifersüchtig aufeinander?

Nett ausgedrückt (Schmunzeln), ja, sie sind ein bißchen eifersüchtig aufeinander und das ist auch gut so. So müssen sie sich immer relativieren, hinterfragen und erneuern.

Je mehr Entwicklung, umso mehr Bewegung. Dabei ist es mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander und wenn man genau und gezielt plant, dann passen sie alle perfekt zusammen.“




Interview und Fotos von Jan Haeselich